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© Catherina Hess
Ulf Poschardt, Jahrgang 1967, ist Buchautor und Medienberater und seit April 2001 auch Gastprofessor an der HdK Berlin, Fachbereich Gestaltung. Er lebt in Berlin. Er schrieb DJ Culture (1995) und Anpassen (1998). 2000 ist sein Buch Cool erschienen.




> Andere über Ulf Poschardt

> Tristesse Royale > Meineke Mayer Musik erzählt


Tristesse Royale

> Benjamin v. Stuckrad-Barre Ich glaube vor allem auch, daß Ulf Poschardt glaubt, daß ihn so etwas interessant macht. Denn er ist Doktor, Chefredakteur und so weiter – dann aber: "Interessant. Stehplatz im Stadion. Wow".

Alexander v. Schönburg Ich finde diesen Mann uninteressant. Er ist vielleicht für euch eine wichtige Figur des Zeitgeschehens.

Christian Kracht Er ist ein Titan.

Eckhart Nickel Ein moving target.

Benjamin v. Stuckrad-Barre Warum sind wir nicht intelligent genug, nicht so oft über Ulf Poschardt zu sprechen?

Christian Kracht Ich habe mit Joachim Bessing ein Drehbuch geschrieben für einen Spielfilm, das zu sechzig bis fünfundsiebzig Prozent fertig ist. Es heißt Hamburg und handelt eigentlich von Ulf Poschardt - er ist dort die Hauptfigur. Es geht um die Poschardtisierung
Deutschlands.

Alexander v. Schönburg Or a sitting duck for that matter. Das verstehe ich wiederum.

Benjamin v. Stuckrad-Barre Warum?

Alexander v. Schönburg Ich verstehe, daß du so eine Figur nehmen kannst und beschreibst -

Christian Kracht Die Figur, das Symbol Poschardt ist einfach nicht so öffentlich wie die Figuren, mit denen wir sonst hier hantiert haben. Und dadurch, daß sie nicht so öffentlich ist, ist sie auch diffuser und angenehmer.

Alexander v. Schönburg Eigentlich ist er der perfekte Mann aus der Marlboro-Werbung: das verhaßte Image, das er euch vorspiegelt.

Benjamin v. Stuckrad-Barre Ulf Poschardt ist Krönung light. Einmal sah ich ihn in einem Video, für die Kamera hatte er seinen Kleiderschrank geöffnet. Man sah ihn dort stehen, mehr und mehr Spindtüren öffnend, Kleidung ins Licht haltend. Dazu rappte er:
Hier sind so Gürtel
Wenige sind es nicht
Viel Helmut Lang
Sneakers
Und natürlich
Mein Beastie-Boys-Shirt

Alexander v. Schönburg Er ist real gewordene Krönung light – und darauf seid ihr vielleicht neidisch.

Aus: Bessing, Kracht, Nickel, v. Schönburg, v. Stuckrad-Barre: Tristesse Royale
© 1999 Ullstein Verlag Berlin und München. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
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Musik erzaehlt > Andererseits ist der Text [‘Anpassen’] in seiner Unentschlossenheit souverän. Auf den ersten Blick durch die falsche Autorität seiner Sprache, die enorm substantivlastig ist. Auf den zweiten Blick und wenn man diesen Fake durchschaut hat – wenn man realisiert, daß die hier auftauchenden Ideen sich gegenseitig sträuben, daß hier offenbar so etwas versucht wird wie eine Repräsentation verschiedener Interpretationsansätze, und zwar aus Ermangelung eines Glaubens an den EINEN ...; wenn man sich reinliest in diesen Text, der das Quentchen Zynismus, das er in sich trägt, bekämpft und der wohl gerne mehr Hoffnung ausstrahlen würde, als ihm sein Gegenstand ermöglicht ...; wenn die Sprache also ihre Autorität eingebüßt hat; wenn hinter den großen Worten die noch größere Suche zum Vorschein kommt, der Versuch kenntlich wird, mit Theorie gegen überall beobachtete Vereinsamung (Poschardt schreibt gerne von »Selbstbefriedigung«) und überhaupt gegen das Ende aller Hoffnung anschreiben zu wollen -, dann entsteht aus dem Aufeinandergestoßen-Werden von harter Sprache und weicher Unentschlossenheit eine strenge Poesie, die alle Unsicherheiten gut aufzuheben scheint und doch auch kommuniziert. Musikalisch würde man wohl sagen: eher Breakbeats vom Schlage Nicolettes oder Leilas denn Garage-House.
Und noch ein schönes Poschardt-Wort zur Mode:
"Einzig die Musik schafft es auf ähnlich populäre Weise hart und zart, banal und elitär, eisig und romantisch, hart und mitfühlend zugleich zu sein. Sie ist, ähnlich wie die Mode, von dem Druck der Intellektualisierung befreit und kann tiefgründiges Wissen verbreiten, ohne selbst davon zu wissen." Absolut kein Grund, nicht über dieses Wissen zu schreiben.

Aus: Jochen Bonz: Meinecke Mayer Musik erzählt
© 1998 Jochen Bonz. Mit freundlicher Genehmigung des Autoren.
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